Endlich Ferien! Runter mit den Mundbinden und lächeln!

 "Snup en Pose!" steht auf der Kiste, in der allerlei Strandgut gesammelt wird.

"Schnapp Dir einen Beutel!"

 

Die Kinder von Fridays for future führen ihre Eltern, Onkel und Tanten zum Müllsammeln an den Strand. Wir erleben vor den Müllcontainern bewegende Dialoge. Jede Generation hat ihre Schuld: Die Urgroßväter haben an Dänemarks Stränden Bunker gebaut und die Dänen haben mit ihnen kollaboriert, die Großväter haben ohne Rücksicht auf die Umwelt ihre Autos am Samstagnachmittag auf der Straße gewaschen, die Eltern haben ihre Kinder aus reiner Bequemlichkeit mit Pampers statt Baumwollwindeln gewickelt.

 

Diese Eltern haben bereits in jungen Jahren ein stattliches Schuldenkonto hinterlassen: Sie haben die Erderwärmung nicht aufgehalten und den Müll nicht immer sorgfältig getrennt, so hören wir. Sie haben Urlaub in Übersee gemacht, Kreuzfahrten im Mittelmeer, ihr Geld bei der Deutschen Bank angelegt, Fleisch gegessen und nicht immer im Bio-Laden eingekauft. Ja, das ist schlimm. Keine Frage. Wie lebt man mit dieser Schuld? Können diese Umweltsünden überhaupt in einem Leben vergeben werden oder bedarf es zur Sühne mehrerer Reinkarnationen?

 

Ergreifende Schuldeingeständnisse weht der Wind über den Strand. Ja, liebe Freunde und Freundinnen, mit dem Karma ist nicht zu spaßen. Schuld bleibt Schuld und hat Strafe zur Folge. Die Christen in Deutschland haben zwar Beichtstühle, Sühnefeiern und die Hölle abgeschafft, aber sie werden sich noch wundern. Die Wirklichkeit der Hölle ist keine Sache eines Mehrheitsbeschlusses.

 

Müllsammeln ist für das Karma gut, auch wenn Buddha und Ramakrishna keine Mülltrennung praktizierten. Ja, auch bei ihnen gibt es Schuldzusammenhänge, die offen und ehrlich dargelegt werden müssen. Da steht die Kirchen noch vor ungeahnten Enthüllungs-Aufgaben. Jesus hat viele Wunder getan und sehr viel gepredigt. Doch wo sind die goldenen Worte zur Mülltrennung? Wo engagierte er sich für den Gewässerschutz? 

 

So geht Erlösung, so wird Befreiung erfahrbar: Schaut die fröhlichen Gesichter dieser Familie aus Hannover! Dr. Alexander Grauland hat Ökologie und Raumplanung in Hannover studiert und eine wissenschaftliche Arbeit über Torfmooskultivierung geschrieben. Dafür bekam er den Friedenspreis von Suhlingen verliehen und eine Kiste Bullenschluck geschenkt. Grauland ist Gründungsmitglied der AfD und leitet ehrenamtlich eine NABU-Gruppe, die sich besonders dem Erhalt der Feldhamster im neuen Baugebiet von Sarstedt widmet. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit der Errichtung von Windrädern zwischen Hannover und Hildesheim und hat seinen Gewinn in Öko-Aktien und Seniorenwohnungen angelegt. So weit - so gut.

 

Berenice und Lisa-Marie, seine beiden Töchter, sind total stolz auf ihren Papa, denn er sammelt in dieser Bußaktion allein unter dem strengen Blick seiner Töchter den Müll ein! Anke Grauland, die etwas distanziert stehende Mutter, hoffen sie auf diese Weise ebenfalls zu einem Schuldbekenntnis und zu Bußübungen zu gewinnen. Anke ist Lehrerin an der IGS Laatzen und Müllbeauftragte in der Umwelt-AG. Aber sie sieht noch nicht ein, warum sie in den wohlverdienten Herbstferien an Dänemarks Stränden Müll sammeln soll. Solidarischer Patriotismus nennt Berenice diese Aktion. Sie ist Mitglied der AfD Jugendorganisation. Solidarischer Patriotismus bilde eine Grenzen und Nationen übergreifende Einheitsfront gegen die Vermüllung der Nordsee. Abfall freies Dänemark oder Abfall freies Deutschland - so laute das Gebot der Stunde!

 

 

 

Doggy ist auch für Mülltrennung, behauptet er. Als Kind der Fünfziger Jahre, habe er ein ökologisch reines Gewissen. Gerne werde er den jungen Leuten einmal erzählen, wie man in seiner Kindheit mit der Natur umgegangen sei.

Er meint, er sei in einer Recycling-Gesellschaft aufgewachsen: Hosen und Hemden wurden geflickt, das Essen wurde aufgegessen, draußen in Wald und Flur gab es natürliches Spielzeug usw. -:  Ja, ja, er hat tatsächlich die Entsorgungsexpertin vom Zweckverband Abfallwirtschaft in Groß Düngen so lange mit seinen Öko-Geschichten zugelabert, dass ihm als einzigem Bürger der ganzen Region die Anschaffung einer grünen Tonne erlassen wurde.

 

 

 

 

Doch alles Reinheitsstreben muss eine Grenze haben. Hier zum Beispiel bei diesem zentnerschweren Ding, vor dem auch Alexander Grauland zur großen Enttäuschung seiner Töchter kapituliert. Ja, vor kurzem schien noch Versöhnung zwischen den Generationen möglich. Aber, so sagt Tochter Lisa-Marie, Schuld wiegt eben schwer, manchmal sehr schwer. Da nütze es auch nicht, wenn sich ein Bundeskanzler vor Jahren einmal in Warschau auf die Knie fallen ließ. Sie finde, auch Dänemark stehe wie Polen, Griechenland und Spanien Entschädigungen zu. Es müsse ja nicht immer Geld sein. Aber wenn alle deutschen Dänemarkurlauber mit der AfD einmal im Jahr für eine Woche zum Müllsammeln kämen, dann könnten sie in der zweiten Woche seelenruhig Urlaub machen.

 

Dann hebt Lisa-Marie einen Betonstein vom Strand. Er mag vielleicht ein Kilogramm wiegen. Wenn jeder deutsche Urlauber einen Betonklotz mit nach Hause nehme, könne langfristig auch diese Schuld abgetragen werden, sagt sie und übergibt ihrem Vater den Klotz. Der Vater ist willig, aber sein Rücken ist nach einem Bandscheibenvorfall schwach. Die Mutter protestiert. Diese Einmischung macht Lisa-Marie wütend. Was sie ihrer Mutter schon immer sagen wollte, wirft sie ihr nun an den Kopf. Es geht um die Verpackung des Toilettenpapiers, die immer achtlos im Plastikmüll entsorgt werde. Ja, Himmel, ruft die Mutter, wohin denn sonst mit dem Müll? Genau diese Phantasielosigkeit das sei der Punkt, erwidert die Tochter. Warum werde die Verpackung des Toilettenpapiers nicht als Plastikmüllbeutel im Bad verwendet, bevor sie entsorgt werde? 

 

Wir lassen diese Sühne- und Büßergruppe in Ruhe ihre Arbeit verrichten und fahren nach Fjand zur Gårdboutique und entdecken den Tee „Good Karma". Doggy hat sich gleich eingedeckt. Kann er machen. Nützt bei ihm sowieso nix!

 

Doggy hat Berenice versprechen müssen, der Hildesheimer AfD beizutreten. Grandparents für ein Abfall freies Deutschland! Ich finde, dass ist eine sehr gute Idee.

 

Doggy sagt, er wolle die Hildesheimer SchülerInnen für das Müllsammeln am Freitag motivieren: Jeder und jede bekommt einen Müllbeutel aus Jute oder recyceltem Plastik in die Hand gedrückt und los geht es in Parks und Straßen. AfD for future will er diese Aktion nennen.

 

 

 

 

Ich bin nun auch der AfD beigetreten. Das war gar nicht so leicht, weil es inzwischen mehr Müllsammler als Müll an dänischen Stränden gibt. So habe ich mich auf das Sammeln von Metallschrott spezialisiert.

 

Und was ist Dein Beitrag zum Umweltschutz?